München (ots) –

Einen Extra-Grund zum Feiern braucht es normalerweise nicht für die Frankfurter Buchmesse, weil sie alljährlich schon eine große Party des Geistes, der Literatur, des Austauschs und ja, auch des Big Business ist. Aber in diesem Jahr ist einfach alles noch ein bisschen bigger. Denn die wichtigste Bücherschau der Welt feiert 75. Jubiläum! Gegründet 1949, wenige Jahre nach dem Zivilisationsbruch des Holocaust, war und ist sie bis heute auch eine Botschaft in die Welt. Die Frankfurter Buchmesse will für demokratische Werte, Freiheit, Menschenrechte und Humanität stehen. Besonders eindrücklich wurde das zuletzt im vergangenen Jahr, als die Messe ein Zeichen der Solidarität mit der von Putins Russland angegriffenen Ukraine setzte und viele ukrainische Autoren nach Frankfurt holte.

Und auch in diesem Jahr positioniert sie sich: Als Reaktion auf die Terrorattacke der radikalislamischen Hamas auf Israel keine zwei Wochen vor dem Start der Messe wurde das Programm ad hoc erweitert. Es ist der Versuch, eine Sprache zu finden für das unbegreifliche Leid, das sich aktuell in Nahost abspielt – und betroffenen israelischen und jüdischen Stimmen Raum zu geben. Und dann sorgte bei der Eröffnungsfeier der slowenische Philosoph Slavoj Zizek für einen heftigen Eklat, weil er in seiner mit etlichen Provokationen gespickten Rede den Fokus auf den „komplexen Hintergrund“ des Nahostkonflikts legen und auf das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung aufmerksam machen wollte. Es gab Buhrufe, der Antisemitismus-Beauftragte des Landes Hessen, Uwe Becker, rief mehrfach, Zizek würde damit den Angriff auf das israelische Volk relativieren. All das wird auf der Messe gerade heftig diskutiert. Und dann sagt das Literaturland Slowenien noch „Dober dan“! Der Ehrengast kommt mit einem illustren Aufgebot an Schriftstellerinnen, Lyrikern und Philosophinnen. Mittendrin: natürlich „ttt“! Unser 45-Minuten-Extra mit Max Moor hat die relevantesten Denker und wichtigsten Bücher des Herbstes in der Show!

Der lange Schatten des Krieges – „ttt“ spricht mit Schriftstellern über die Eskalation in Nahost und die Diskussion auf der Messe

Schon vor Beginn dieser Buchmesse war klar: Sie wird überschattet vom Krieg. Der Bundeskanzler konnte wegen seiner kurzfristigen Israel-Reise nicht wie geplant an der Eröffnungsfeier teilnehmen. Einige Autoren können nicht oder nur unter schweren Bedingungen anreisen. Die Sängerinnen Liraz und Rita mussten ihre Konzerte absagen – sie wollen jetzt in Israel sein.

Wie können wir über das Grauen in Israel und Gaza sprechen, ohne uns in Frontstellungen zu verkeilen? Wie können wir solidarisch und menschlich miteinander umgehen in diesen schweren Tagen, statt uns immer weiter voneinander zu entfernen? Darüber spricht „ttt“ mit der israelischen Autorin und Friedensaktivistin Lizzie Doron, dem Direktor der Anne-Frank-Bildungsstätte Meron Mendel, der deutsch-palästinensischen Autorin Joana Osman und dem Buchmessen-Direktor Juergen Boos. (Beitrag: Celine Schäfer)

Der Eklat um den Philosophen Slavoj Zizek und seine Rede zum Israel-Gaza-Krieg

Slavoj Zizek. Dieser Name polarisiert gerade die Messe und die Debatten. Nach seinem heftigen Eklat auf der Eröffnungsfeier der Buchmesse wird er von den einen noch mehr verachtet, von den anderen noch mehr verehrt. Was ist passiert? Eigentlich wollte „ttt“ mit Slavoj Zizek – anlässlich seines Buches „Die Paradoxien der Mehrlust“ – über Lösungen für die Krisen unserer Zeit nachdenken. Jetzt aber müssen wir mit ihm über diese Rede und seinen Vorwurf des „Analyseverbots“ sprechen. (Beitrag: Katja Deiß)

Der Friedenspreisträger Salman Rushdie – Ein Gespräch über das Attentat auf ihn und seinen Kampf für Freiheit, Wahrheit und Demokratie

„Der autoritäre Geist hat große Angst vor dem freien Geist“, sagt Salman Rushdie, der diesjährige Friedenspreisträger. Und er weiß, wovon er spricht. Bei einem Attentat im August 2022 kommt der weltberühmte Schriftsteller nur knapp mit dem Leben davon. In Person des Angreifers, eines amerikanischen Islamisten, hat ihn die Vergangenheit eingeholt: Der lange Schatten der Fatwa, mit der Ayatollah Khomeini 1989 seine Anhänger dazu aufforderte, Salman Rushdie hinzurichten. Anlass war Rushdies Roman „Die satanischen Verse“, der sich angeblich „gegen den Islam, den Propheten und den Koran“ richte.

„ttt“ hat Salman Rushdie vor der Friedenspreisverleihung, einem seiner ersten großen öffentlichen Auftritte nach dem Attentat, in New York getroffen und mit ihm über seinen neuen Roman „Victory City“, aber auch über Freiheit, Wahrheit und deren ständige Bedrohung gesprochen. (Beitrag: Katja Deiß)

Debattenkultur aus dem Ruder? – Ein Land in der Empörungs-Sackgasse

Deutschland, 2023: Der Wutpegel steigt. Wir streiten viel, laut und bisweilen nur noch Lager gegen Lager. Der Eindruck, dass öffentliche Diskussionen immer wieder aus dem Ruder laufen, kommt nicht von ungefähr: Inzwischen ist unsere Debattenkultur selbst zu einem zentralen Streitthema geworden. Woran liegt es, dass wir einander scheinbar immer unversöhnlicher gegenüberstehen? Und wie schaffen wir wieder einen konstruktiveren Dialog, bei dem Argumente ausgetauscht, statt polternd umhergeschmissen werden, einen Dialog, der nach Lösungen sucht, statt nach Schuldigen?

Darüber spricht „ttt“ mitten im Debatten-Hotspot Buchmesse mit den Autorinnen und geübten Streitern Alice Hasters, Yasmine M’Barek, Jagoda Marinic und Sascha Lobo. (Beitrag: Mia von Hirsch)

Meinung, Machtkampf, Eskalation! Steffen Mau über die „Triggerpunkte“ unserer Gesellschaft

Die deutsche Gesellschaft ist gespalten, der Kulturkampf tobt! So zumindest die gängige Analyse, wenn es um die Debattenkultur unserer Zeit geht. Aber stimmt das tatsächlich – driften wir zunehmend auseinander, verharren sogar längst im Stellungskrieg einander feindlich gesinnter Lager? Nein! Sagt der Soziologe Steffen Mau. Gemeinsam mit Thomas Lux und Linus Westheuser hat er die Konfliktherde der Gegenwart in einer großangelegten Studie empirisch erforscht – und dabei festgestellt: „This is not America“. Eine polarisierte Gesellschaft wie in den USA gibt es hierzulande nicht. „ttt“ hat Steffen Mau in Berlin getroffen und mit ihm über die „Triggerpunkte“ gesprochen. (Beitrag: Grete Götze)

Treffen der Giganten: Max Moor und Otto Waalkes

Otto Waalkes! Deutsche Humor- und Blödelgeschichte in Person trifft auf Max Moor. Schweizer Moderationsurgestein! Was haben sie sich zu sagen? Und welche Rolle spielt dabei die Kunstgeschichte, von der Komiker und Maler Otto doch einiges versteht? Zumindest hat er seine Ottifanten einmal durch sie reisen lassen – während er selbst kürzlich zum TikTok-Star wurde! Klingt alles wild? Wird es auch! (Beitrag: Sven Waskönig)

Ein Roadtrip durch Slowenien – Unterwegs mit den spannendsten Schriftstellern des Ehrengast-Landes

Der diesjährige Ehrengast der Buchmesse ist ein Land, das gerade einmal so groß ist wie Hessen: Slowenien. Nur rund 2,1 Millionen Menschen leben in dem kleinen EU-Mitgliedstaat – unter ihnen jedoch bemerkenswert viele starke Literatinnen und Poeten. Slowenien hat, so sagen es die Organisatoren des Gastland-Auftritts gerne schmunzelnd, „die dichteste Dichte an Dichtern“. Das liegt womöglich auch an seiner besonderen geografischen Lage und seiner Geschichte: Slowenien liegt zwischen Österreich, Italien, Ungarn und Kroatien und grenzt ans Mittelmeer. Dort haben sich schon immer Handelswege gekreuzt und kamen unterschiedliche Sprachen und kulturelle Einflüsse zusammen. Einst Teil der Habsburg-Monarchie und später dann der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien ist Slowenien heute tatsächlich ein europäischer Schmelztiegel. Im letzten Jahr haben sie hier ihren rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Janez Janss abgewählt. Gute Leute, diese Slowenen!

„ttt“ hat sich auf einen Road-Trip durch das Gastland, seine umwerfend schöne Natur und pulsierende Hauptstadt Ljubljana gemacht. Und dabei die spannendsten Schriftsteller:innen des Landes getroffen.

„Zauber der Stille“ – Florian Illies‘ wunderbares Buch über Caspar David Friedrich

Florian Illies ist einer der ganz großen Erzähler, die es hierzulande gibt. Mit „Generation Golf“ ist er bekannt geworden, mit der literarischen Collage „1913“ hat er sich einen Lieblingsplatz in den Herzen seiner Leser gesichert, mit „Liebe in Zeiten des Hasses“ hat er seine unnachahmliche Gabe, europäische Kulturgeschichte anhand ihrer schillerndsten Literaten, Künstlerinnen und Philosophen zu erzählen, perfektioniert. Jetzt hat er sich wieder einer übergroßen Künstlerfigur zugewandt: dem Maler Caspar David Friedrich. Für „Zauber der Stille“ hat Illies viele Monate akribisch recherchiert und Geschichten zutage gefördert, die Caspar David Friedrich und seine Kunst in neuem Licht zeigen.

„ttt“ hat den gebürtigen Hessen Florian Illies am Tatort getroffen und mit ihm darüber gesprochen, warum Caspar David Friedrich, der in der Natur das Göttliche sah und in seiner Kunst abbilden wollte, in jeder Zeit anders geliebt und gehasst wird. (Beitrag: Grete Götze)

Moderation: Max Moor

„ttt – titel thesen temperamente“ ist am Sendetag ab 20:00 Uhr in der ARD Mediathek verfügbar

Redaktion: Nora Binder, Jella Mehringer (hr)

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Quelle: ots