München (ots) –

Schicksalswahl in der Türkei – Eine gespaltene Gesellschaft und der Blick der jungen Frauen auf ihr Land
Seit mehr als 20 Jahren steht er an der Spitze der Türkei. Vor sechs Jahren hat er seine Machtposition verstärkt, in dem er über ein Referendum die parlamentarische Demokratie in ein Präsidialsystem umwandelte. An Recep Tayyip Erdogan kam lange keiner vorbei. Doch die Wahl am 14. Mai könnte eng werden. Für Erdogan ist sie auch eine Glaubensfrage. Zu seiner Erfolgsformel hat immer gehört, dass fromme Muslime nur ihn wählen können. Er hat sich von der laizistischen Staatsmaxime Atatürks weit entfernt und die Spaltung zwischen Säkularisten und Religiösen vorangetrieben. In ihrem Buch „Die gespaltene Republik“ beschreibt die Publizistin Çigdem Akyol die tiefen Gräben der türkischen Gesellschaft und die Ära des „politischen Islam“, in der Erdogan die Religion bewusst für politische Zwecke zu nutzen begann. „Auf dem Rücken der Frauen wird der Streit zwischen religiösen und säkularen Gruppen in der Gesellschaft ausgetragen“, sagt die Journalistin Büsra Cebeci, die mit 22 Jahren beschlossen hat, ihr Kopftuch abzunehmen.
„Die Regierung benutzt uns für ihre Politik“, sagt auch Rümeysa Çamdereli, sie ist Feministin und Aktivistin und überzeugte Kopftuchträgerin. Sie kritisiert, wie jetzt im Wahlkampf Frauen Angst gemacht werde, dass bei jeder anderen Regierung das Kopftuchverbot wiederkommen könnte. „ttt“ hat mit den drei Frauen darüber gesprochen, welche Hoffnungen und Zukunftsperspektiven die junge Generation – und gerade auch die Frauen darunter – in der Türkei haben und was sie sich wünschen für dieses gespaltene Land.
Beitrag: Katja Deiss

„Undemokratische Emotionen“ – Star-Soziologin Eva Illouz über rechten Populismus und den Zustand Israels
Eva Illouz, französisch-israelische Star-Soziologin, ist bekannt für ihre scharfen Analysen zur Gefühlsarchitektur westlicher Gesellschaften. Wie der Kapitalismus unsere Art zu fühlen verändert, wie durchökonomisiert unsere Beziehungen geworden sind, wie gesellschaftliche Prozesse und individuelle Emotionen zusammenhängen: Das sind die Themen, zu denen Eva Illouz seit Jahrzehnten forscht. Immer wieder aber beschäftigt sie sich auch mit dem Zustand des Landes, das sie besonders gut kennt, weil es ihre Heimat ist: Israel – das aktuell eine dramatische Staatskrise erlebt. Aus Sorge um ihr Land hat Eva Illouz eine politische Analyse verfasst, die sich mit den tiefen Gräben der israelischen Gesellschaft auseinandersetzt und wie rechte Populisten diese nutzen, um die Demokratie abzuschaffen. „Undemokratische Emotionen“ hat sie ihr Buch genannt und es erscheint just in den Tagen des Jubiläums, zum 75. Jahrestag der Staatsgründung Israels. „ttt“ hat Eva Illouz in Berlin getroffen und mit ihr über die gefährlichen „undemokratischen Emotionen“ gesprochen und darüber, warum gerade Deutschland gegenüber der antidemokratischen Regierung Israels jetzt klare Worte finden sollte.
Beitrag: Grete Götze

Sucht nach Wahrheit – Laura Poitras‘ Kinofilm „All The Beauty and The Bloodshed“ über die Künstlerin Nan Goldin
Laura Poitras hat sich mit ihren Filmen schon viele Feinde gemacht und Filmpreise verdient. „Citizen Four“ über Edward Snowden bekam einen Oscar und machte sie für die USA zur Staatsfeindin. Auch mit „Risk“ über WikiLeaks-Gründer Julian Assange hat sie sich mit der US-Regierung angelegt. Ihr neuer Film wurde mit dem Goldenen Löwen in Venedig ausgezeichnet und für den Oscar nominiert. „All The Beauty and The Bloodshed“ porträtiert wieder eine Person, die sich gegen mächtige Feinde wehrt: Gegen einen großen Pharmakonzern, das amerikanische Gesundheitssystem und die Justiz. Nan Goldin, eine der bekanntesten US-amerikanischen Künstlerinnen, kämpft seit einigen Jahren mit Unterstützung der von ihr gegründeten Aktivistengruppe P.A.I.N. (Prescription Addiction Intervention Now) gegen den Pharmakonzern Purdue, der die größte Drogenkrise der Gegenwart auslöste: Über 500.000 Menschen starben bisher in den USA in der Folge von Oxycontin-Abhängigkeit. Auch Nan Goldin selbst wurde vom Schmerzmittel Oxycontin, das ihr Ärzte nach einer Operation auf Rezept verschrieben hatten, dauerhaft abhängig. „ttt“ hatte die seltene Gelegenheit mit Laura Poitras, die in der Regel keine TV-Interviews gibt, ein Gespräch zu führen und stellt den Film „All The Beauty and The Bloodshed“ vor, der am 25. Mai in die Kinos kommt.
Beitrag: Brigitte Kleine

„We Rise by Lifting Others“ – Die großartige Kunst der Marinella Senatore
„We Rise by Lifting Others“ – übersetzt bedeutet das ungefähr „Wir gewinnen selbst an Größe, wenn wir anderen helfen“. Was für ein Titel für eine Ausstellung! Und bei Marinella Senatore absolut programmatisch gemeint! Ihre Ausstellung „We Rise by Lifting Others“ ist gerade zeitgleich im Münchner Museum Villa Stuck und im Salzburger Museum der Moderne zu sehen. Es ist die erste Gesamtschau ihres Werks, nachdem die gebürtige Italienerin Senatore bereits auf verschiedenen Biennalen weltweit ausgestellt hat, u. a. in Venedig, São Paulo oder Lyon. Ein Höhepunkt ihres Schaffens aber war zweifelsohne 2021 die DIOR-Fashionshow, für die sie aus imposanten süditalienischen Lichtinstallationen, sogenannten Luminarie, mit feministischen Proklamationen die Kulisse schuf. Ein sensationelles Happening! „ttt“ hat ihre Ausstellung in der Münchner Villa Stuck besucht und mit ihr über die transformative Kraft der Kunst gesprochen.
Beitrag: Celine Schäfer

Moderation: Siham El-Maimouni

„ttt – titel thesen temperamente“ ist am Sendetag ab 20:00 Uhr in der ARD Mediathek verfügbar.

Im Internet unter www.DasErste.de/ttt

Redaktion: Nora Binder, Ulrike Bremer

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Quelle: ots